Granatapfel

2015-05-19

Die Gesundheitsgarantie von Marcus Fuhrmann. Manchmal kommt Werbung einfach nicht an. Auf meinem Schreibtisch liegt zum Beispiel ein halbes Dutzend Artikel aus verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, die den Granatapfel als Gesund- und Schönmacher loben. Die Berliner Autorin Ursula Heinzelmann etwa, die ich ob ihrer Sachkunde besonders schätze, widmete der hartschaligen Frucht erst Ende September in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine ganze Seite. Trotzdem gehören Granatäpfel in Berliner und Brandenburger Restaurants bestenfalls zum dekorativen Beiwerk und werden dementsprechend wenig von deren Küchenchefs bei uns nachgefragt. „Die meisten wissen einfach nicht, was sie mit dem kulturhistorisch beladenen Symbol, das Fruchtbarkeit und Glück verheißt, in der Küche anfangen sollen“, resümiert Ursula Heinzelmann (FAS, 19.9.2010). Ich kann das nur unterschreiben.

Dabei enthält der Granatapfel fast alle lebensnotwendigen Vitamine, Minaralstoffe und Spurenelemente in nennenswerten Mengen. Ernährungsexperten verweisen außerdem auf die antioxidativen sekundären Pflanzenstoffe, im Falle des Granatapfels sind es insbesonders Polyphenole, die erstaunliche gesundheitsfördernde Wirkungen entfalten. So heißt es, dass die antioxidative, das heißt entzündungshemmende und krebsvorbeugende Wirkung des Granatapfels drei- bis zehnmal höher als die etwa von Kulturheidelbeeren oder Cranberries ist.

Möglicherweise liegt die Zurückhaltung vieler Köche gegenüber dem Granatapfel daran, dass es eine ziemlich „schmaddrige“ Angelegenheit ist, an Saft und Kerne unter der festen Schale zu kommen. Deshalb dient der Granatapfel, den wir übrigens von Anfang August bis Ende Januar, vollreif geerntet, aus Ägypten, Israel, Spanien, Zypern oder aus der Türkei beziehen, leider allzuoft lediglich dekorativen und weniger kulinarischen Zwecken.

Wer sich aber erstmal überwunden hat und die roten Saftspritzer beim Aufbrechen der Frucht nicht scheut, wird mit Sicherheit zum dauerhaften Granatapfel-Fan. Die Kerne sollte man über einer Schüssel mit kaltem Wasser ausklopfen. Dann schwimmen die lästigen weißen Häutchen oben und lassen sich abgießen. Ich bevorzuge Granatapfelkerne ins Müsli, zu Vanilleeis, Wild oder Geflügel und habe in dem auf dieser Seite abgebildeten Buch das Rezept einer orientalischen Granatapfelpizza entdeckt, das ich bei Gelegenheit probieren werde.

Der einfach mit Hilfe einer Zitruspresse gewonnene Saft schmeckt besonders lecker zu Quark, Eis und Obstsalat, lässt sich (350ml Saft, 60g Zucker, 1 EL Zitronensaft) zu einem herrlichen Sorbet verarbeiten und ergibt – so empfiehlt es die Foodautorin Ursula Heinzelmann – mit Olivenöl, Pfeffer, Salz und etwas gemahlenem Kreuzkümmel gemischt, ein erstklassiges Allround-Dressing.

Mein Plädoyer an Profi- und Hobbyköche: mehr Mut zum Granatapfel!

Ihr Marcus Fuhrmann

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