Kresse

2015-05-18

Die Obst- und Gemüsebranche ist, das wird jedem einleuchten, kein ausgesprochen innovativer Bereich. Apfel ist Apfel, war Apfel und wird Apfel bleiben. Artischocke genauso. Sicher, dann und wann kommen einige neue Sorten oder andere Produzenten auf den Markt, aber das bleibt überschaubar.

Deshalb war ich auch ziemlich skeptisch, als ich vor etlichen Jahren auf dem Hamburger Süllberg eine Holländerin kennenlernte, deren Visitenkarte selbstbewusst verkündete: Architecture Aromatique. Liesbeth Boekestein, Marketingfrau des Gartenbauunternehmens Koppert Cress B. V., präsentierte damals Borage Cress, die salzig und nach Austern schmeckte und warb für weitere Produkte ihres Unternehmens: „Wir sind stets auf der Suche nach innovativen Zutaten, die Köche verwerten können, um den Geschmack, das Erscheinungsbild oder auch das Aroma ihrer Gerichte zu verbessern.“

Das klang irgendwie spannend und wir beschlossen, Produkte der holländischen Firma in unser Programm aufzunehmen. Inzwischen stehen Affilla Cress (schmeckt nach frischen Erbsen), Atsina Cress (schmeckt nach süßem Anis), Mustard Cress (schmeckt nach Meerrettich), Rock Chives (schmeckt nach mildem Knoblauch), Shiso Purple (schmeckt nach Kümmel) und andere Sorten auf unseren Bestelllisten und erfreuen sich bei vielen Berliner und Brandenburger Küchenchefs erheblicher Beliebtheit, Tendenz steigend.

Und offenbar nicht nur bei ihnen. Rund 25000 Steigen des Mikrogemüses, so ist zu hören, verkauft die Firma in der Woche.

Bei dem Unternehmen mit Sitz in Monster  -der 14000 Einwohner Ort liegt im sogenannten Westland in der Nähe von Den Haag - handelt es sich um eine High-Tec-Gewächshausanlage, in der auf einer Fläche von 1,7 Hektar unter Glas ausschließlich Kressen herangezogen und verpackt werden - 20 Sorten mit 20 verschiedenen Geschmacksrichtungen derzeit.

Zwei neue Sorten bringt Koppert Cress jährlich auf den Markt. Basis sind zumeist exotische Samen: Bei der Tahoon Cress etwa, die gut zu Käse und Wildgerichten passt, stammen sie von einer Pflanze aus dem Himalaya. Es wird also nichts in ein Gewächs „hineinmanipuliert“, sondern es werden weltweit essbare Pflanzen gesucht, die neue Geschmackserlebnisse versprechen und deren Samen dann in einem Zellulosesubstrat aufgezogen.  „Umweltfreundlich, ohne den Einsatz von Pestiziden und zertifiziert nach den hohen Standards des SQF-Programms der Global Food Safety Initiative für Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität“, wie Liesbeth Boeckestein betont. Uns jedenfalls hat das überzeugt.

Mit kulinarischen Grüßen

Ihr Dieter Fuhrmann

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