Mango

2015-05-21

Vom Außenseiter zum Star der Exoten-Liga - Zwei Zahlen liefern den Beweis für die Richtigkeit der Überschrift. 1979 importierten deutsche Händler rund 700 Tonnen Mangos – heute, 30 Jahre später, sind es über 34.000 Tonnen.

Es gibt keine andere exotische Frucht, deren Verbrauch in vergleichbarer Zeit so rasant gestiegen ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Mangos duften betörend, schmecken aromatisch und liefern ein unvergesslich saftiges Fruchtfleisch.

In ihrer ursprünglichen Heimat Indien werden sie als „Götterspeise“ seit über 4000 Jahren verehrt. Heute wachsen Mangos auch in anderen tropischen Regionen der Welt. Wissenschaftler sprechen von über 1000 Sorten, die sich durch Größe, Form und Farbe unterscheiden. Es gibt Früchte, die gerade mal die Größe einer Aprikose erreichen, andere wiederum sind groß wie ein Rugbyball und kommen auf das stattliche Gewicht von bis zu 2 Kilogramm. Ebenso vielfältig wie ihre Form ist die Farbe ihrer glatten, allerdings ungenießbaren Schale: dunkelgrün, hellgelb, orange, violett, vielfach auch grün-rot oder gelb-rot.

Wichtig für den Kunden: die Farbe der Schale sagt nichts über den Reifegrad der Mango aus. Unreif geerntete Früchte kommen per Schiff meist aus Mittel- und Südamerika nach Deutschland. Nach dem zweiwöchigen Transport im Kühlcontainer sind sie bei ihrer Ankunft immer noch steinhart und müssen nachreifen. Das geschieht, indem sie bei 18-20 Grad Celsius mit dem Pflanzenhormon Ethylen (H2C=CH2) begast werden. Die Mangos werden dann zwar über Nacht reif, am Geschmack allerdings lassen dich derart künstlich nachgereifte Früchte deutlich von jenen unterscheiden, die zu ihrer Zeit reif geworden sind. Wir plädieren deshalb, selbst wenn der Preis relativ hoch ist, für den Kauf sogenannter „Flugware“. Dabei handelt es sich um Mangos, die vollreif geerntet, sorgfältig verpackt und per Flugzeug innerhalb von 36 Stunden nach Deutschland transportiert werden.

Wir bekommen – wie die meisten anderen Berliner Großhändler auch – seit einigen Jahren solche Mangos aus Thailand. Sicher, ein großer Aufwand für ein bisschen Exotik, die jedoch viele Küchenchefs, vor allem in der Spitzengastronomie, nicht mehr missen möchten.

Die Hauptsaison für die Thai-Mangos liegt zwischen April und Juli, in verschiedenen Landesteilen gibt es allerdings auch eine Nebensaison, so dass reife Mangos verschiedener Sorten fast das ganze Jahr über aus dem Land des Lächelns nach Deutschland geliefert werden können.

Der Mann, der das möglich macht, heißt Rafael Neitzsch. Der gelernte Koch stammt aus dem Fränkischen, lebt seit fast 15 Jahren in Thailand und exportiert mit seiner Firma Thai Fresh Express nicht nur die Königin der Früchte, sondern auch anderes exotisches Obst und Gemüse, sowie erstklassige Kräuter und Gewürze aus Südostasien nach Deutschland.

Zum Schluss noch ein paar Tipps zum Mangokauf im Einzelhandel. Die größte Herausforderung dabei besteht darin, wirklich reife Exemplare zu erwischen. Die Farbe der Schale gibt, wie gesagt, darüber keinen Aufschluss. Entscheidend sind lediglich der angenehme Mangogeruch und die Tatsache, dass sich die Frucht relativ leicht mit dem Finger eindrücken lässt. Reife Mangos sollten innerhalb von ein bis zwei Tagen verzehrt werden, bei längerer Lagerung besteht die Gefahr, dass sie verfaulen. Der Kühlschrank übrigens ist zur Aufbewahrung tabu, weil die Früchte Temperaturen von unter acht Grad Celsius nicht vertragen und darauf mit einer bräunlichen Verfärbung des Fruchtfleisches reagieren. Die Mango ist eben eine sensible Königin. Ihren Status bestätigt sie bei den Inhaltsstoffen. Durch den hohen Gehalt an den Vitaminen A (der höchste aller Obstarten) und C (soviel wie die Zitrone) wirken die Früchte vorbeugend gegen Infektionen und Erkältungskrankheiten.

Der Gesundheit förderlich sind auch die vielen Mineralstoffe – Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan und Kupfer.

Ihr einziger echter Makel: Flecken, durch Mangosaft entstanden, lassen sich aus Textilien nur sehr schwer entfernen. Übrigens, um ein echtes Urlaubs-Gefühl auf der Zunge zu haben, empfehlen wir: reif kaufen,frisch aufschneiden und auslöffeln.

Ihr Marcus Fuhrmann

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