Dieter Fuhrmann

Fuhrmanns Früchtekorb

Tamarillo – Geschmacksstarke Baumtomate

Von Marcus Fuhrmann

Obst als Beikost

Der Begriff „Obst“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen. „Obez“ hieß damals, vor knapp 1.000 Jahren also, soviel wie „Beikost“. Das Wort beschreibt die bescheidene Rolle, die das Obst in der Ernährung spielte und die sich auch in den folgenden Jahrhunderten nicht änderte. Die Medicusse des Mittelalters etwa rieten vom Verzehr roher Früchte ab und verordneten lediglich Dörrobst oder Dicksaft als Heilmittel.

 
Noch Luft nach oben

Heute kaum mehr vorstellbar. Jeder Bundesbürger isst täglich etwa 100 Gramm frisches und rund 50 Gramm Obst in verarbeiteter Form. Das ist, im Vergleich mit anderen europäischen Ländern, durchaus ein guter statistischer Durchschnitt, aber nicht nur ich finde, dass da noch viel Luft nach oben ist. Übrigens: Äpfel sind in Deutschland das beliebteste Obst, gefolgt von Bananen, Apfelsinen, Clementinen, Tafeltrauben, Pfirsichen und Erdbeeren. Und die Tamarillo?

Seltene Tamarillo

Welchen Platz die Tamarillo in diesem Ranking einnimmt, vermag ich nicht zu sagen, mit Sicherheit jedoch keinen unter den Top Twenty. Das liegt natürlich daran, dass die Baumtomaten, so das gängige Synonym der eiförmigen Früchte mit orangener bis scharlachroter Schale, nur selten angeboten werden. Eigentlich unverständlich, denn ihre geschmacklichen und ernährungsphysiologischen Qualitäten sind enorm.

Peruanisches Tropengewächs

Ursprünglich stammt die zur Familie der Nachtschattengewächse gehörende Beerenfrucht aus den peruanischen Anden. Inzwischen findet man die Baumtomate allerdings auch in anderen Gebieten mit tropischem Klima. Der bis zu sechs Meter hohe, baumartige, immergrüne Strauch wächst inzwischen sogar auf den Kanarischen Inseln und auf Maderia, dort allerdings zumeist in Hausgärten. Wir beziehen die Tamarillo derzeit vor allem aus Brasilien. Der Name übrigens wurde erst vor knapp 50 Jahren aus Marketinggründen von neuseeländischen Händlern erfunden, davor hieß die Frucht in ihren Anbauländern schlicht „tree tomato“, oder „ tomate de árbol“ (spanisch).

Dünne Schale, weicher Kern

Da die dünne Schale der Camarillo viele Gerbstoffe enthält und einen leicht bitteren Geschmack aufweist, sollte sie vor der weiteren Verarbeitung abgezogen werden. Das geht, wie bei der Tomate, am besten, wenn man die Frucht kurz in heißem Wasser blanchiert. Geschmacklich sind die Tamarillos tatsächlich eine Offenbarung. Das saftige Fruchtfleisch überzeugt mit herbem, süß-säuerlichem Geschmack, auch die kleinen, weichen Kerne sind essbar.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Tamarillo gibt Obstsalaten den ultimativen Kick. Besonders gut, finde ich, passt sie zu Äpfeln und Ananas. Man kann mit ihr Chutneys und Marmeladen aufpeppen, noch besser kommen sie als Käsebegleiter zur Geltung. Mein Favorit ist ein Cocktail aus Tamarillos, Bananen, Garnelen und Sahnemeerrettich. Dafür müssen die Baumtomaten im Mixer püriert und anschließend durch ein Sieb gestrichen werden. Dann wird mit Salz, Pfeffer Zitronensaft und ein paar Spritzern Angostura gewürzt. Die Sauce wird anschließend über die in Scheiben geschnitten Bananen und die gegarten Garnelenschwänze gegeben, mit einem Teelöffel Sahnemeerrettich und fein geriebenen Ingwer angerichtet und gekühlt serviert.

Spitzkohl – Kohldampf auf Kohlgemüse

Es gibt glamouröseres Gemüse als den Spitzkohl. Kein Wunder, dass die Kopfkohlart hierzulande jahrzehntelang als altbackenes Kraut verschrieen war. Im Ranking der beliebtesten Gemüsesorten kam sie über einen Platz in der letzten Reihe nicht hinaus. Das änderte sich, als Coleslaw, die amerikanische Variante des Krautsalats, und das koreanische Kimchi die deutschen Küchen eroberten. Kohl liegt inzwischen im Trend, Spitzkohl insbesondere.

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Rettich –Würziges Wurzelgemüse

Keine Frage, der Rettich ist ein Methusalem unter den heute bekannten Gemüsesorten. So ist beispielsweise überliefert, dass er bereits vor mehr als 4.700 Jahren zur Nahrung der Arbeiter an den großen Pyramiden gehörte. Von Ägypten aus gelangte die Wurzel wahrscheinlich auch nach Griechenland und Italien. Dort erlebte sie ihren zweiten Frühling.

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Pimientos de Padrón – Bratpaprika aus Galizien​

Pimientos  de Padrón sind Minipaprika von grüner Farbe und schwacher Schärfe. Sie gehören zu den vielen Beispielen, die belegen, wie sich in den letzten Jahrzehnten die Wünsche unserer Kunden und damit unser Angebot verändert haben. Als ich vor über 40 Jahren in die Selbstständigkeit als Fruchtgroßhändler startete, kannte ich nicht einmal den Namen der kleinen Schote. Und ich bin mir ziemlich sicher, den meisten Küchenchefs ging es damals genauso.

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