Knollenziest – Leckere Knöllchen

Fuhrmanns Früchtekorb

Knollenziest – Leckere Knöllchen

Von Marcus Fuhrmann

Seltene Delikatesse

Er ist teuer, er ist selten, und selbst viele Spitzenköche kennen ihn nur dem Namen nach: Knollenziest. Botanisch: Stachys affinis, auch als Chinesische Artischocke oder Japanische Kartoffel bekannt. Nachgefragt wird Knollenziest hierzulande kaum, weder von der Gastronomie noch auf Wochen- oder in Supermärkten. Dementsprechend spärlich ist auch das Angebot.

Archaische Rarität

Wenn ich heute dennoch für die archaische Rarität eine Lanze breche, dann zuallererst wegen ihres besonderen Geschmacks. Der Knollenziest kommt roh angenehm und fein nussig daher und spielt nach Erwärmung irgendwo zwischen Artischocke, Blumenkohl und Schwarzwurzel. Die perlmuttfarbigen Knöllchen sind optisch eigenwillig und erinnern an winzige Schillerlocken. Es handelt sich um die Wurzelverdickungen der einzigen Gemüsepflanze aus der Familie der Lippenblütler.

Kulinarischer Geheimtipp

Der Ursprung des Knollenziests wird in Nord- und Zentralchina vermutet. Dort wird er auch heute noch großflächig angebaut. Nach Europa gelangte die Pflanze allerdings erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Hier wurde sie zuerst von Auguste Pailleux auf dessen Versuchsfeldern in Crosne, im Südosten von kultiviert. Das Ziel lautete, ein attraktives Wintergemüse zu akklimatisieren.  Nachdem das gelungen war, avancierten die nährstoffreichen Knollen unter dem Namen „Crosne du Japon“ zum kulinarischen Geheimtipp.

In Frankreich sehr beliebt

Rasch verbreitete sich der Knollenziest in ganz Mitteleuropa. In Auguste Escoffiers 1903 erschienenem Standardwerk „Le Guide Culinaire“ beispielsweise sind immerhin sieben Knollenziest-Rezepte aufgeführt. In ähnlicher Form werden sie heute immer noch in französischen Restaurants gekocht. Der Boom außerhalb Frankreichs allerdings war nur von kurzer Dauer. Das mag einerseits an der arbeitsaufwendigen Ernte der Knollen, andererseits an Problemen mit der Pflanzengesundheit gelegen haben. Derzeit wichtigste europäische Anbauländer des Knollenzeist sind Frankreich, Holland und Belgien.

Leckeres Wintergemüse

In neueren deutschen Kochbüchern fand ich nur wenige Hinweise auf das winterharte Gemüse. Zu den Ausnahmen zählt ein Rezept im „Kochbuch von Land und Meer“ (Collection Rolf Heyne, München 2012). Dessen Autor ist Johannes King. Der ist Gastgeber im Sylter Söl´ring Hof und war bis 1998 Küchenchef im Wannsee-Restaurant Grand Slam – ältere Berliner werden sich erinnern. King serviert den Knollenziest gemeinsam mit Kerbel-, Petersilien- und Schwarzwurzel sowie Pastinake und Roter Bete als Wintergemüsesalat zu gebratener Rotzunge. Dafür blanchiert er den Ziest nach dem Waschen und Putzen etwa eine Minute in köchelndem Salzwasser. Dann schwitzt er ihn kurz in Butter an und serviert ihn lauwarm. 

Wertvolle Inhaltsstoffe

Bei dieser schonenden Verarbeitung bleiben die Inhaltsstoffe der Knolle erhalten. Dazu zählen viele Minerale sowie das seltene, vom Körper leicht aufnehmbare Kohlenhydrat Stachyose. Dabei handelt es sich um eine schwach süß schmeckende Verbindung aus Glucose, Fruktose und Galactose. Knollenziest kann auch in gutem Olivenöl oder in Butter vier oder fünf Minuten gebraten werden. Dann ist er meiner Meinung nach noch geschmacksstärker als gedünstet. Würzen mit Meersalz und Pfeffer aus der Mühle, dazu gehackte Kräuter, superlecker!

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Rote Bete – Winterlicher Bodenschatz

Fuhrmanns Früchtekorb

Rote Bete – Winterlicher Bodenschatz

Von Marcus Fuhrmann

Alte Sorten

Zu den schönsten Obst- und Gemüsebüchern die ich kenne, gehört der Nachdruck eines prächtigen Mappenwerkes. Es erschien 1876 in Erfurt. Sein Titel: „Das Album Benary/Alte Gemüsesorten“. Eine der 36 Tafeln trägt die Überschrift „Salat-Rüben oder Beete“. Darauf abgebildet sind sechs verschiedene Sorten Rote Bete. Darunter befindet sich die „Rothe rauhhäutige Crapaudine“, die „Dunkelrothe plattrunde aus Egypten“ und die „Erfurter schwarzrothe lange dunkellaubige“.

 

 
Lange Zeit verschmäht

Das sind Sorten, die, soweit ich weiß, bestenfalls noch bei Kleingärtnern eine Rolle spielen. Die Ursache sehe ich einerseits im geringen Ertrag der alten Sorten gegenüber den heute bevorzugten Formanova, Forono oder der Roten Kugel. Andererseits ist es auch eine Tatsache, dass das Wintergemüse jahrelang weder in den heimischen Küchen noch in der Gastronomie von besonderer Bedeutung war.

Von Spitzenköchen wiederentdeckt

Das hat sich geändert, seit deutsche Spitzenköche vor einigen Jahren auf den Geschmack kamen. Harald Wohlfahrt etwa ist auch in diesem Jahr Nummer Eins unter Deutschlands Köchen. Er serviert in seiner Baiersbronner Schwarzwaldstube eine in Olivenöl confierte Heilbuttschnitte mit einer milden Meerrettichemulsion. In der befinden sich Seegras, Silberzwiebeln und glasierte Rote Bete. Oder der Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner im Osnabrücker La View. Er bringt Rehrückenfilet mit einem Dreierlei aus der Boudin Noir, geräuchertem Ochsenmark, Räucherbutter-Polenta, ebenfalls rauchigem Provolone-Käse, sowie Artischocken, Dicken Bohnen und Roter Bete auf die Teller.

Zu  Königsberger Klopsen oder Kabeljau

Und natürlich gibt es auch in Berlin etliche Beispiele für den intelligenten Einsatz des Wurzelgemüses. Matthias Diether vom First Floor kombiniert Taube mit Gänseleber und kandierten Nüssen mit Gelber und Roter Bete. Bieberbau-Chef Stephan Garkisch bringt Königsberger Klopse und rosa gebratene Kalbshüfte mit Austernkraut, Sellerie und gebackener Roter Bete auf den Tisch. Und bei Thomas Kurt im e.t.a. hoffmann schließlich gibt`s den Klassiker schlechthin: Kabeljau mit krossem Schweinebauch, Crèmespinat, Blumenkohl und Roter Bete. Wer es traditioneller liebt, schaut in die osteuropäischen Küchen. In denen gehört Rote Bete zu den wichtigsten Ingredienzen. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel ist der ukrainisch-russische Borschtsch.

Vitaminreiches Nahrungsmittel

Übrigens: Das Knollengemüse verdankt seine Farbe dem hohen Anteil an Betanin. Die gesamte kalte Jahreszeit hindurch versorgt uns die Pflanze mit dem Provitamin A, den Vitaminen der B-Gruppe, Kalium, Calcium, Eisen und vor allem mit Folsäure. Rote Bete mit ihrem geschmacklich ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis ist also auch ein außerordentlich gesundes Gemüse. Zum Schluss noch eine Frage:

Der ultimative Cocktail

Kennen Sie Bloody Beete? Nein? Na dann, folgen Sie mir unauffällig nach Schöneberg, in die Gleditschstraße. Dort gibt es eine Bar mit Café oder, wenn Sie wollen, ein Café mit Bar. Der Name der kleinen Kneipe: „Rote Beete“. Kein Wunder, dass man hier statt Bloody Mary eben Bloody Beete serviert, statt Tomaten- also Rote-Beete-Saft. Der Rest entspricht der Zutatenliste des Cocktail-Klassikers. Wodka, Zitrone, Tabasco, Worchestersauce, Salz, Pfeffer. Manche behaupten, der blutrote Wodkasaft sei ein wirkungsvoller Katertrunk. Sicher ist er die eigenwilligste Möglichkeit der Verarbeitung der roten Rüben.

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Topinambur – Die Erdbirne

Fuhrmanns Früchtekorb

Topinambur – Die Erdbirne

Von Dieter Fuhrmann

Klingt nach Karl May

Es muss so Ende der 1940 Jahre gewesen sein. „Topi-wie?“ – fragte ich meine Mutter damals, als sie das erste Mal eine Knolle mit eigenwilliger Form auf den Tisch brachte. Der Name klang wie der eines Indianerhäuptlings aus meinen Karl-May-Büchern. Dass ich damit gar nicht so falsch lag, erfuhr ich allerdings erst viel später.

Von Nordamerika nach Europa

Topinambur war für nordamerikanische Indianer tatsächlich ein wichtiges Nahrungsmittel. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Pflanze von Seefahrern nach Europa gebracht. Hier diente ihre Knolle als Gemüse für die menschliche Ernährung und die ganze Pflanze als Futter fürs liebe Vieh. Sie ist übrigens eine Verwandte der Sonnenblume. In Italien heißt sie beispielsweise „girasole“, was so viel bedeutet wie „der Sonne zugewandt”. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Topinambur nach und nach von der Kartoffel verdrängt.

Kalorienarme Knolle

Ein kurzes Comeback erlebte Topinambur in der Hungerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, dann verschwand die Knolle –  wie die Steckrübe – fast völlig aus der Küche. Sehr zu Unrecht, denn Topinambur ist kalorienarm, enthält viel Kalium, Eisen und das wichtige B1-Vitamin sowie erhebliche Mengen des Polysaccharids Inulin, weswegen Diabetiker Topinambur als Kartoffel-Ersatz schätzen.

Comeback in Deutschlands Küchen

Inzwischen hat Topinambur wieder Einzug auch in deutsche Küchen gehalten. Feinschmecker schätzen den edlen, fein-nussigen Geschmack der Knolle. Dieser erinnert stark an den von Artischocken. Die rohe Knolle eignet sich gehobelt oder geraspelt für frische Salate. Am besten gibt man etwas Zitronensaft hinzu, um eine bräunliche Verfärbung an der Luft zu vermeiden. Durch das Garen entsteht das typische nussartige Aroma. Dieses kommt beispielsweise in Kombination mit in Butter gebräunten Semmelbröseln noch besser zur Geltung.

Viele Zubereitungsarten

Topinambur schmeckt aber auch im Gemüseauflauf, als Püree und als Cremesuppe. Eine wirklich wunderbare Topinambursuppe wird übrigens im Kreuzberger Restaurant Figl gekocht – sämig, nussig und von leicht-angenehmer Süße. Leider wird sie mit grausigem Trüffelöl angeboten. Aber ein Wort zum Service genügt, und das Öl bleibt in der Flasche.

Spitzkohl – Kohldampf auf Kohlgemüse

Es gibt glamouröseres Gemüse als den Spitzkohl. Kein Wunder, dass die Kopfkohlart hierzulande jahrzehntelang als altbackenes Kraut verschrieen war. Im Ranking der beliebtesten Gemüsesorten kam sie über einen Platz in der letzten Reihe nicht hinaus. Das änderte sich, als Coleslaw, die amerikanische Variante des Krautsalats, und das koreanische Kimchi die deutschen Küchen eroberten. Kohl liegt inzwischen im Trend, Spitzkohl insbesondere.

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Rettich –Würziges Wurzelgemüse

Keine Frage, der Rettich ist ein Methusalem unter den heute bekannten Gemüsesorten. So ist beispielsweise überliefert, dass er bereits vor mehr als 4.700 Jahren zur Nahrung der Arbeiter an den großen Pyramiden gehörte. Von Ägypten aus gelangte die Wurzel wahrscheinlich auch nach Griechenland und Italien. Dort erlebte sie ihren zweiten Frühling.

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